Montag, 21. August 2017

[Rezension] Räuberherz (Julianna Grohe)





♥ OT: /
♥ Reihe: Einzelband
♥ Autor: Julianna Grohe
♥ Verlag: Drachenmond Verlag
♥ Preis: 14,90€ (TB)
♥ Erscheinungsjahr: 2017
♥ Seiten: 378
♥ Genres: Fantasy, Romantasy, Paranormal Romance


Anfang des Monats habe ich dieses wundervolle Buch in einer Leserunde gemeinsam mit Tanja und Flidra gelesen.

Cover: Drachenmond Verlag, Alexander Kopainski


-> Flidras Rezension
-> Tanjas Rezension



Als wäre sie in eine schräge Version von Die Schöne und das Biest geraten, findet sich Ella in der Villa eines reichen Mannes wieder. Statt jedoch mit tollen Kleidern und Schmuck verwöhnt zu werden, soll sie putzen, während ihr Entführer eine Traumfrau nach der anderen mit nach Hause bringt. Welches Geheimnis verbirgt er? Weshalb sind manchmal Stimmen im Haus zu hören, obwohl niemand in der Nähe ist? Und warum gibt es diese seltsamen elektrischen Schläge, wenn sie aus Versehen seine Haut berührt?

Ella ahnt, dass seine Hartherzigkeit nichts als Fassade ist... doch was wird sie dahinter finden? Vielleicht etwas viel Gefährlicheres?

Text: Drachenmond Verlag


Das Cover des Großtaschenbuchs ist wunderschön gestaltet. Alleine die düstere Farbkombination aus Schwarz und einem dunklen Bordeaux ist einfach ein Traum! Hinter den aufwirbelnden, mit metallischen Glitzereffekten veredelten Rosenblättern blickt uns eine junge Frau entgegen, die in schwarz-weiß getaucht ist und die Protagonistin Ella darstellt. Die Blütenblätter erinnern entfernt an die Geschichte von Die Schöne und das Biest und auch der Buchrücken ist sehr hübsch anzusehen, was im Gesamteindruck einen wahren Eyecatcher aus dem Buch macht. Innen finden sich kleine Illustrationen und Verzierungen, wie man es vom Drachenmond Verlag gewohnt ist, nämlich Rosen und Blütenblätter.


Räuberherz ist ein märchenhafter, hochromantischer Roman, der lose auf dem französischen Volksmärchen Die Schöne und das Biest basiert. Das Handlungsgerüst ist grob übernommen worden; außerdem finden sich zahlreiche Anlehnungen an die klassische Erzählung, doch ansonsten liefert uns die Autorin eine vollkommen neue Geschichte. Ein modernes Märchen, das mich mit seiner ruhigen, düsteren und gefühlvollen Art mitzureißen und zu überraschen wusste.

Anfangs war ich dem Buch gegenüber noch etwas skeptisch eingestellt, denn der Einstieg gefiel mir nicht so recht. Wir begleiten Ella zunächst in ihrem Alltag, der sehr trostlos und hart daherkommt. Sie ist von Zuhause ausgerissen, lebt in einer alten Ruine, da ihr Vater spielsüchtig ist, und in der Schule wird sie gemobbt. Leider wird dies alles sehr bedacht dramatisch dargestellt, um zu zeigen, wie schwer Ella es doch hat. Die Mitschüler benehmen sich einfach kindisch, wie auf Achtklässler-Niveau, und auch Ellas Reaktionen zeugen nicht gerade von Reife. Dazu kommen einige kleine Logikfehler. Ella schminkt sich jeden Tag inklusive Lippenstift und Smokey Eyes, kann aber kein Kleingeld für ein billiges Shampoo zusammenkratzen? Sie kauft ein Waschmittel, aber wo möchte sie mit diesem bitteschön waschen - in der Regentonne, mit deren Wasser sie sich morgens das Gesicht wäscht? Aufgrunddessen brauchte ich einige Seiten, um mich "einzulesen".

Nach wenigen Kapiteln kommt die Geschichte aber schnell in Fahrt und ich konnte mich vollkommen darauf einlassen. Die Handlung verlegt sich an einen anderen Schauplatz, was dem Buch sehr gutgetan hat. Ein seltsamer Mann namens Crys verschleppt Ella in sein Anwesen, doch ist er nicht einfach ein Verbrecher, sondern fordert, dass sie dort für ihn und seine Freundin Summer arbeitet. Schnell wird klar, dass an diesem Ort so einiges nicht stimmt, vielleicht etwas Übernatürliches vor sich geht, denn  Summer scheint regelrecht abhängig von Crys zu sein und es geht ihr zunehmend schlechter... Diesem Geheimnis wollte ich unbedingt auf den Grund gehen und so übte das Buch nach kurzer Zeit eine unglaubliche Sogwirkung auf mich aus. Die Autorin bedient sich zwar einem bekannten Schema - mysteriöser Typ mit dunklem, paranormalen Geheimnis - jedoch bringt sie unglaublich fantasievolle, unverbrauchte Ideen mit ein, die gekonnt umgesetzt worden sind. Stellenweise fühlte ich mich aber auch ein wenig an Haus der tausend Spiegel von Susanne Gerdom erinnert, wobei es sich dabei ebenfalls um eine entfernte Adaption von Die Schöne und das Biest handelt.

Die Geschichte ist wirklich mal etwas anderes; ich war einige Male sehr positiv überrascht von ihrem Verlauf. Der Fantasy-Anteil nimmt dabei nach und nach immer mehr zu. Neben Mystery und einer guten Portion Humor (Ich sage nur: Das "Hinkelstein-Gemächt" XD) erwarten den Leser auch viel Romantik und Herzschmerz mit einem Hauch Erotik. Trotz des Altersunterschiedes entsteht zwischen den beiden Hauptcharakteren nach und nach eine unglaubliche Spannung, sowohl romantischer als auch erotischer Natur, dass man es stellenweise fast schon knistern hören kann. Es ist eine bittersüße Liebesgeschichte, die sich langsam über Seiten hinweg entwickelt, die scheinbar unmöglich und zum Scheitern verurteilt ist. Mich konnte sie wirklich packen und bewegen.

Insgesamt hat mir nur eine Sache so gar nicht gefallen: Das Ende. Mir ging leider alles viel zu schnell und das Ende an sich ist mir persönlich auch zu kitschig geraten. Ich bin einfach kein Fan des typisch kitschig-amerikanischen Highschool-Abschlussball-Endes und muss leider sagen, dass dieses überladene Happy End dem Buch einfach nicht gerecht geworden ist. Hier zeigte sich dann auch ganz deutlich, dass das Buch mit Ella als Studentin irgendwie besser funktioniert hätte, als mit ihr in der Rolle einer Schülerin. Einige Passagen in den letzten Kapiteln fand ich außerdem etwas... komisch. Mir kam es so vor, als hätte Julianna Grohe noch kurz vor Schluss auf den New-Adult-Zug aufspringen wollen, einfach weil dieses Genre gerade in ist. Die Autorin hätte wohl lieber das verwunschene Setting rund um das Anwesen und Crys' Welt beibehalten sollen, denn eine Geschichte in der "realen Welt" zu schreiben liegt ihr scheinbar nicht. Das ist wirklich schade, denn ansonsten hat mir die Geschichte ja wirklich gut gefallen.


Die Protagonistin Ella mochte ich sehr, obwohl sie sich anfangs sehr unnahbar, zickig und verschlossen gibt. Nachdem ihr Vater ihr das Leben zur Hölle gemacht hat und sie ausgerissen ist, versteckt sie sich nun hinter ihrem schwarzem Lippenstift und zynischen Motto-Shirts. Allerdings hat sie dadurch auch schon früh gelernt auf eigenen Beinen zu stehen, strengt sich in der Schule an, ist sehr selbstständig und fleißig. Man merkt ihr zwar an, dass sie mit ihren 16 Jahren noch ein Teenager ist, da sie öfter mal unüberlegt handelt, aber im Laufe der Geschichte wächst sie innerlich und äußerlich vom etwas pummeligen Goth-Mädchen zu einer starken jungen Frau heran. Man begleitet sie auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden, denn der zeitliche Handlungsrahmen des Buches bezieht sich auf über zwei Jahre. Trotzdem bleibt sie bis zum Schluss noch ein Stück weit das trotzige, vorlaute Mädchen, das diese Charakterzüge einfach nicht ablegen kann. Hin und wieder waren mir Ellas vorlaute Sprüche aber ein bisschen too much - zu übertrieben und kindisch, was bis zum Ende des Buches leider auch nicht großartig abnimmt.

Crys nimmt anfangs die Rolle eines psychopathischen Entführers ein, der Ella aus ihrem Leben reißt. Von diesem jungen Mann scheint eine Gefahr auszugehen, die Ella nicht so recht zu deuten vermag. Was verheimlicht er? Und was will er wirklich? Zunächst können sich die beiden nicht so recht leiden, entwickeln aber nach und nach eine tiefe Verbundenheit zueinander. Beide sind schrecklich einsam und so ensteht eine seltsame Vertrautheit zwischen den beiden. Crys ist zwar sehr wankelmütig und legt fragwürdige Methoden an den Tag, aber er hat auch einen faszinierenden, einnehmenden und komplexen Charakter. Als Leser merkt man schnell, dass er nicht der wahre Bösewicht der Geschichte sein kann, sondern ihn irgendein schreckliches Geheimnis in einen inneren Zwiespalt zwingt. Angesichts seiner Vergangenheit und seines Schicksals kann er einem wirklich nur leidtun, sodass es umso schöner ist, wie er sich Ella gegenüber langsam öffnet, Vertrauen zu ihr fasst.

Die Nebencharaktere fand ich auch einfach wundervoll ausgearbeitet - zumindest die im Hauptteil der Geschichte. Den grummeligen Gärtner Mr Morris mochte ich mit Abstand am liebsten und habe ihn mit seiner liebevoll-schroffen Art einfach direkt in mein Herz geschlossen. ♥ James und Arthur, die beiden Haustiere, sorgen für eine gewisse Komik im Roman. Sie sind auf eine lustige und befremdliche Art einfach nur liebenswürdig. Dann gibt es da natürlich noch Crys' wechselnde Freundinnen und seine eigenartigen Freunde, über die ich an dieser Stelle noch nichts verraten werde... Lediglich Ellas Schulfreunde und ihr Vater, also die Charaktere aus Ellas "altem Leben", waren mir einfach zu blass dargestellt.


Julianna Grohes Schreibstil finde ich einfach wundervoll! Sie hat eine tolle Art mit Worten umzugehen, Spannung und Romantik zu erzeugen, den Leser aber auch mal ein bisschen zu schocken.^^ Das Buch ließ sich sehr flüssig und locker lesen, es erschien mir nie zu jugendlich oder zu hochgestochen geschrieben. Die Dialoge wussten mich ebenfalls zu überzeugen, denn sie bringen die Geschichte und die Entwicklung der Charaktere immer ein Stück voran, lesen sich mal amüsant, mal emotional oder auch aufschlussreich. Besonders gefallen hat mir der Wortwechsel zwischen Ella und Crys, denn man merkt, dass hier zwei schlagfertige Hitzköpfe aufeinandertreffen. Gelegentlich fallen Kraftausdrücke, denn die Wortwahl der Charaktere, insbesondere Ella, ist nicht "zensiert". Dies hält sich jedoch absolut im Rahmen und fügt sich sehr authentisch in das moderne Setting ein, wie ich finde.


Anfangs noch ein wenig befremdlich, entwickelt das Buch sehr schnell einen unglaublichen Sog, sodass ich einfach immer weiterlesen musste. Der spannende Plot, die interessanten Charaktere und die fantasievollen, innovativen Ideen machen es zu einem richtigen kleinen Schmuckstück unter den Romantasy-Büchern! Positiv hervorzuheben ist auch, dass es sich hier um einen Einzelband handelt und die Geschichte somit abgeschlossen ist. Allein das überladene, irgendwie erzwungene Happy End hat mir das Buch leider kurz vor Schluss etwas madig gemacht, aber ansonsten kann ich Räuberherz allen Fans von Die Schöne und das Biest, modernen Märchenadaptionen und düsterer Romantasy nur ans Herz legen.







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Weitere Meinungen:















Kommentare:

  1. Hey,

    das Buch hört sich richtig toll an. Das werde ich mir mal merken. :)
    Danke für deine tolle Rezension!

    Hab einen tollen Start in die neue Woche!

    Ganz lieben Gruß
    Steffi
    www.angeltearz-liest.de

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    1. Hey Steffi,

      freut mich, dass ich dich so überzeugen konnte!^^

      Liebe Grüße
      Lena ♥♥♥

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  2. Huhu Lena,

    die Rezension hat mich jetzt richtig neugierig auf das Buch gemacht! :D Ich glaube zwar nicht, dass ich allzu bald dazu kommen werde, es zu lesen, aber es kommt mal auf die WuLi. Wo "Die vierte Braut" auch noch steht. XD

    LG Alica

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    1. Hey Alica,

      viele sagen, Die vierte Braut sei besser als Räuberherz. Da kann ich natürlich nicht mitreden, da ich ersteres noch nicht gelesen habe, aber vllt hilft dir das ja ein bisschen^^ Ich kann Räuberherz auf jeden Fall nur empfehlen!

      Liebe Grüße
      Lena ♥♥♥

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  3. Aloha Lena,

    das Buch hört sich wirklich interessant an. Besonders die Liebesgeschichte beschreibst du so schön. Einsame Menschen, die jemanden für sich finden, die sich öffnen können und bei denen sich sogar solch eine Spannung entwickelt, hört sich nach einem tiefgründigen Aufbau an. Sogar der Bezug zu "Haus der tausend Spiegel" hätte mich bereits für das Buch gewinnen können.

    Ich muss aber auch zugeben, dass mich so einige Dinge jetzt abschrecken. Ganz besonders die Logikfehler am Anfang. Vermutlich würde ich während der ersten Seiten hauptsächlich meinen Kopf schütteln. Auch die Protagonistin, scheint nicht Favoriten-Potenzial zu haben. Gerade Charaktere empfinde ich immer als sehr wichtig und mit einer Hauptfigur, möchte ich mich immer ganz gerne anfreunden können. Aaaah, ich weiß nicht was ich nun tun soll. Lesen oder nicht lesen, das ist hier die Frage. xD

    Ganz liebe Grüße
    Leni

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    1. Hey Leni,

      stimmt, dir hat "Haus der tausend Spiegel" ja auch so gut gefallen, da würdest du dieses hier bestimmt auch mögen. Was die Logikfehler angeht, habe ich diese ja bereits beschrieben und fand sie dann im Gegensatz zum tollen Hauptteil danach eher nebensächlich. Davon solltest du dich also nicht abschrecken lassen! Die ersten 30 Seiten sind da einfach noch etwas schwierig...^^ Die Hauptfigur mochte ich ja eigentlich ganz gerne, sie macht eine gute Entwicklung durch und ist insgesamt schon sympathisch, finde ich. Bei mir ist es eher das kitschige Ende, das die Bewertung runtergezogen hat^^ Und hey, es sind immerhin noch verdammt gute vier Herzchen, die ich hier verteilt habe, ich fand das Buch also verdammt gut! :D Ich würde gerade dir also das Buch wirklich empfehlen.

      Liebe Grüße
      Lena ♥♥♥♥♥♥

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  4. Hallöchen Lena,
    die Rezension klingt ziemlich gut. Das Cover hat mich vorher ja schon sehr fasziniert ♥ Ich denke, dass ich mich nach meinem Urlaub mal wieder beim Drachenmondverlag umsehen werde und Räuberherz wird sicherlich in meinen Warenkorb landen ♥
    Liebe Grüße
    Sarah ♥

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    1. Hey Sarah,

      wie cool, hoffentlich wird es dir dann auch so gut gefallen! Ich habe dich ja dann hiermit vorgewarnt, wo meiner Meinung nach die Schwächen des Buches liegen^^

      Liebe Grüße
      Lena ♥♥♥

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  5. Hallo liebe Lena ❤️,

    Die vierte Braut von Julianna Grohe war an Cinderella angelehnt und das hat mir gut gefallen. Allerdings weiß ich anhand deiner logischen Kritikpunkte nicht, ob mich Räuberherz begeistern kann, was du ins Feld führst klingt nun mal glaubwürdig, ach ich bin hin und her gerissen.
    Liebe Grüße Cindy

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    1. Hey Cindy,

      "Die vierte Braut" habe ich ja auch immer noch auf dem radar, besonders nach diesem tollen Buch hier. Ich habe mir von anderen, die beide Bücher gelesen haben, sagen lassen, dass "Räuberherz" nicht ganz an die Cinderella-Adaption herankommen soll. Ich für meinen Teil fand aber "Räuberherz" so gut, dass ich nun wirklich gespannt auf "Die vierte Braut" bin. Dir hatte das Buch ja super gut gefallen, daher kann ich dir "Räuberherz" nur empfehlen, wenn du die Autorin doch magst :) Einige Kritikpunkte habe ich wirklich, aber die sind im Vergleich zu der tollen Geschichte wirklich nicht so schlimm, glaube mir ♥

      Liebe Grüße
      Lena ♥♥♥

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