Donnerstag, 16. März 2017

[Rezension] Das Reich der sieben Höfe - Dornen und Rosen (Sarah J. Maas)





♥ Titel: Das Reich der sieben Höfe - Dornen und Rosen
OT: A Court of Thorns and Roses
♥ Reihe: Band 1/6
♥ Autorin: Sarah J. Maas
♥ Verlag: dtv
♥ Preis: 18,95€ (HC)
♥ Erscheinungsjahr: 2017
♥ Seiten: 480
♥ Genres: Jugendbuch, Fantasy


Dieses Buch stand ganz oben auf meiner Wunschliste und zu meinem Glück habe ich es bei einer Blogtour gewonnen. Nachdem ich meine vorherige Lektüre beendet hatte, musste ich es dann sofort lesen.


Cover: dtv



Der Pfeil bohrte sich in seine Seite und ich hätte schwören können, dass der Boden unter seinen Pfoten erbebte. Er heulte auf vor Schmerz und ließ vom Hals der Hischkuh ab, während sein Blut in den Schnee spritzte.
Rubinrot auf Weiß.

(Seite 15)



Sie hat ein Leben genommen. Jetzt muss sie mit ihrem Herz dafür bezahlen. Die junge Jägerin Feyre wird in das sagenumwobene Reich der Fae entführt. Nichts ist dort, wie es scheint. Sicher ist nur eins: Sie muss einen Weg finden, um ihre Liebe zu retten. Oder ihre ganze Welt ist verloren.

Text: dtv


Als das Cover der deutschen Übersetzung enthüllt wurde, war ich zunächst etwas enttäuscht, da ich ein großer Fan der kriegerischen US-Cover bin und es so gar nichts mit diesen gemein hat. Nach einiger Zeit habe ich das Cover dann aber nur für sich betrachten können und festgestellt, dass ich es doch wunderschön finde. :D

Die zarten Farben und das knallige Rot der Blüten ergeben ein wunderschönes, halb winterliches und halb frühlingshaftes Gesamtbild, das einfach toll zum Inhalt passt. Ob die abgebildete Frau Feyre wirklich ähnlich sieht, sei mal dahingestellt (ihre Frisur wirkt irgendwie zu modern), aber der Bogen passt auf jeden Fall genauso gut wie das dunkelrote Kleid, das gut in die Welt der Fae passen würde.

Die Aufmachung des Buches hat mich dann schließlich doch ziemlich umgehauen,  denn das schwere Hardcover bedeckt ein durchsichtiger Schutzumschlag, auf den nur einige Details aufgedruckt sind. Der Hintergrund befindet sich aber auf dem Buch selbst, was eine sehr edle Optik bildet. Einfach wunderschön! Innen findet sich noch eine detaillierte Karte der Welt, die Sarah J. Maas sich für dieses Buch ausgedacht hat.


Der Auftakt zu Maas' neuer Reihe beginnt recht langsam, jedoch wandelt sich die Handlung sehr stark. Meine Assoziationen schweiften von Plötzlich Fee über Game of Thrones bis hin zu Panem. Zunächst lernen wir die Lebensumstände von Feyre kennen, die mit ihrem Vater und zwei Schwestern in einer winzigen Hütte lebt. Die Mutter ist schon vor langer Zeit verstorben und durch einen unglücklichen Vorfall hat die Familie all ihr Geld verloren. Da sie kurz vor einem Hungertod stehen, geht Feyre täglich auf die Jagd, doch eines Tages erlegt sie einen prächtigen Wolf und setzt damit eine Kette von gefährlichen Ereignissen in Gang... Einer der gefürchteten Fae, mächtigen Feenwesen, verschleppt Feyre in das Reich Prythian hinter der Mauer, in dem sie fortan leben soll.

Am Anfang hat es mich etwas genervt, wie schrecklich alles in Feyres Leben doch ist. Es ist nicht genug, dass die Familie Hunger leidet und ausgerechnet die jüngste Schwester für Nahrung und Unterhalt sorgt, nein, ihre Schwestern machen ihr auch noch das Leben schwer. Als die Geschichte sich aber ins Reich der Fae verlagerte, ging es stetig bergauf. Ab diesem Punkt wird die Handlung nämlich sehr viel spannender, fantasievoller und bedrohlicher.

Die fantastischen Elemente konnten mich wirklich begeistern. Sarah J. Maas bietet dem Leser einen solch interessanten, komplexen Weltentwurf, dass ich einfach nur staunen konnte. Das Reich Prythian, seine sieben Höfe sowie deren Hintergrundgeschichte und Legenden haben es mir sehr angetan und sind auf einer Karte zur Veranschaulichung im Buchdeckel abgebildet. Die Naturbeschreibungen lesen sich einfach wunderschön und märchenhaft wie die Geschichte selbst, nur dass diese auch unglaublich brutale Passagen aufweist und im weiteren Verlauf immer düstere Züge annimmt. Schnell wird klar, dass in Prythian etwas nicht stimmt, finstere Machenschaften am Werk sind, aber man wird sehr lange darüber im Ungewissen gelassen, was eigentlich vor sich geht. Im Reich der Fae leben außerdem eine Reihe blutrünstiger, albtraumhafter Kreaturen und Wesen, denen man lieber nicht begegnen möchte. Ich konnte die Gefahr, die von ihnen ausgeht, praktisch durch die Seiten spüren und fand besonders die Suriel und Boggen unglaublich faszinierend ausgearbeitet - richtig gruselig. >.<

Die Anlehnung an Die Schöne und das Biest ist wohl unverkennbar und zieht sich durch das komplette Buch. Maas ist da eine sehr schöne Neuinterpretation gelungen, allerdings möchte ich hier nicht spoilern und rate allen Fans der Geschichte, die Parallelen einfach selbst für sich zu entdecken. ;) Eine gute Portion Erotik findet sich ebenfalls, was ich in diesem Ausmaß gar nicht erwartet hätte. Dornen und Rosen wird auch im Original als Jugendbuch vermarktet, enthält aber explizite, sehr detailliert beschriebene Sexszenen sowie unterschwellige Erotik, wie man sie normalerweise nicht in diesem Bereich findet. Ich würde das Buch aus diesem Grund eher älteren Leser|innen ans Herz legen. Ich selbst war doch recht überrascht von diesem Handlungselement, aber es hat mich letztendlich überhaupt nicht gestört, da es sich sehr gut in den Handlungsrahmen einfügt. Die besagten Szenen sind wirklich immer sehr romantisch oder prickelnd dargestellt und in wunderschöne Worte verpackt.

Kommen wir nun aber zu meinem großen Kritikpunkt, über den ich einfach nicht hinwegsehen kann: Leider wirkt die Handlung oft viel zu gewollt und konstruiert, sodass es zu einer Menge forciertem Drama kommt. Gerade der ansonsten recht atemlose Showdown, der noch einmal gut an Spannung und Tempo vorlegt, strotzt nur so vor Unglaubwürdigkeit, Vorhersehbarkeit und Momenten, in denen ich ein wenig frustriert aufseufzen musste. Es kommt zu einem bedrohlichen Konflikt, den man wirklich auf eine einfache Art und Weise hätte vermeiden können. So wirkt leider gerade das große Finale am Ende doch sehr aufgesetzt. Dazu später mehr.

Das Buch konnte mich ansonsten wirklich fesseln und in seine Bann ziehen, sodass ich immer weiter lesen wollte. Natürlich ist es mit seinen fast 500 Seiten schon nicht gerade dünn, aber trotzdem gibt es eine solche Menge an Handlung her, die ich nie erwartet hätte! Die Geschichte des ersten Bandes reicht meiner Meinung nach schon für eine komplette Trilogie aus, doch der gesamte Stoff ist in nur einem einzigen Buch zu finden, sodass ich mich wirklich frage, welches gewaltige Epos uns in den nächsten fünf Bänden noch erwarten soll...


Generell mag ich die Charaktere, die Sarah J. Maas erschaffen hat, allerdings weisen gerade die Hauptcharaktere starke Schwächen auf, was wirklich sehr schade ist. Dadurch mochte ich irgendwie die Nebencharaktere sehr viel mehr, was mir so noch nie bei einem Buch passiert ist.

An sich habe ich nichts gegen Feyre, da sie stark ist und die Dinge hinterfragt, die um sie herum geschehen. Sie ist aber auch unglaublich stur, undankbar, obwohl ihr Leben verschont wurde und denkt in gefährlichen Situation ständig darüber nach, wie sie gewisse Personen malen würde, was ich als eher unpassend empfinde und nach kurzer Zeit recht nervig fand. Apropos nervig: Feyre ist auch nicht gerade die hellste, und damit meine ich natürlich nicht die Eigenschaft, dass sie nicht lesen kann. Ständig bringt sie sich in Gefahr und ist absolut resistent gegenüber Warnungen, von wem sie auch kommen mögen. Außerdem handelt sie dadurch oft sehr unnachvollziehbar und kann nicht einmal 1 und 1 zusammenzählen, wenn ihr die Lösung auf dem Silbertablett serviert wird, wodurch es leider zu sehr viel künstlich erzeugtem Drama und fragwürdigen Situationen kommt, die man gut hätte vermeiden können - ich weise nur kurz auf "die magischen drei Worte" und Amaranthas äußerst simples Rätsel hin und gehe darauf nicht näher ein, um größere Spoiler zu vermeiden. Für mich ist sie aufgrund ihrer Taten jedenfalls keine Heldin. Aber gut, ohne Feyres Dummheit wäre wohl das komplette letzte Drittel des Buches einfach weggefallen...^^

Eine weitere Schwäche des Buches ist das männliche Gegenstück Tamlin. Der Fae hat außer seiner überirdischen Schönheit und Anmut sowie seiner durch die Wolfgestalt gegebenen "Wildheit" nicht wirklich einen Charakter. Man erfährt im Laufe des Buches zwar so einiges über seine Vergangenheit und lernt ihn als eher bodenständigen, gerechten Mann kennen, aber ich fand seinen Charakter bis zum Schluss leider sehr eindimensional und nicht greifbar. Dieser Aspekt verstärkt sich leider zum Ende hin immer mehr, Tamlin tritt kontinuierlich in den Hintergrund und mir ist immer noch nicht klar, was genau Feyre so sehr an ihm liebt. Für mich der schwächste Charakter des kompletten Buchs.

Rhysand dagegen finde ich seit seinem ersten Auftritt einfach toll, obwohl er recht spät in Erscheinung tritt. Er ist gefährlich, unergründlich und wird gegen Ende zu einer wichtigen Schlüsselfigur, da er im Hintergrund seine Fäden zieht. Er hat Ecken und Kanten und seine wahren Motive bleiben sehr lange im Ungewissen, weshalb ich ihn sehr interessant finde. Sein Charakter und seine Methoden sind ja unter den Lesern sehr umstritten, aber ich bekenne mich offiziell zu Team Rhysand, weil ich ihn einfach unglaublich spannend und Tamlin dagegen sehr langweilig finde.^^ Ich hoffe, dass er im nächsten Band noch viel mehr in Erscheinung tritt. ♥

Tamlins Botschafter Lucien hat nicht nur äußerlich Wiedererkennungswert, sondern ist auch einfach ein toller Nebencharakter. Er wirkt sehr herablassend, aber hat das Herz am rechten Fleck. Am Anfang steht er gegenüber Feyre noch in einem inneren Konflikt, da sie einen Fae auf dem Gewissen hat, aber man merkt, wie sich langsam ein zartes Band der Freundschaft zwischen ihnen entwickelt, das sich zum Ende hin immer mehr festigt.

Feyres Schwestern Elain und Nesta kann ich dagegen absolut nicht leiden. Sie sind verwöhnt, herablassend und arrogant, rühren auch keinen Finger, um ihr zu helfen und stecken alles Geld ein, dass Feyre unter Einsatz ihres Lebens verdient. Dass Feyre sie trotzdem so innig liebt und alles geschehen lässt, ist einfach unrealistisch und passt gar nicht zu ihrem sonst so sturen Charakter. Noch dazu wird im Laufe des Buches alles so dargestellt, als hätte sie ihre Schwestern nur falsch verstanden und diese wären eigentlich unglaublich stark, selbstlos und liebenswert. Das hat mich schon ziemlich geärgert und die Augen verdrehen lassen.


Das Buch ist aus der Ich-Perspektive von Feyre geschrieben, weshalb ihre zwiespältigen Gefühle gegenüber dem Reich der Fae und Tamlin sehr eindrücklich geschildert werden. Was ihre Gedanken angeht, kommt es zu einigen Wiederholungen, aber das finde ich nicht so schlimm, da dies einfach nur verdeutlicht, wie sehr sich die Gedanken der jungen Frau im Kreis drehen. Der Schreibstil ist sehr angenehm, bildhaft und wunderschön, dabei nicht zu modern, sondern an das leicht altertümliche, fantastische Setting angepasst.


Ein Buch, dessen fantastische Elemente meine Erwartungen bei Weitem übertroffen haben, und seinen Hype definitiv wert ist. Trotz zahlreicher Schwächen hat es mich mitreißen und sehr gut unterhalten können. Das Ende ist zwar in sich abgeschlossen, wirft aber weitere Fragen auf und spart nicht an Hinweisen auf die nächsten sich anbahnenden Konflikte, sodass ich den zweiten Band kaum erwarten kann und mir erhoffe, darin noch zahlreiche weitere fantasievolle Wesen und die anderen Höfe Prythians kennenzulernen. Gerne darf es genauso spannend, bedrohlich und fantasievoll weitergehen wie in diesem schönen Auftakt.


Ich würde sehr gerne mehr Herzchen vergeben, aber die Schwächen des Buches sind für mich einfach zu gravierend. Hier ist noch Luft nach oben:






Ein großes Dankeschön für das Gewinnspiel und das bereitgestellte Leseexemplar geht an Lunatic Books und:




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Der zweite Band Flammen und Finsternis erscheint am 04. August 2017!



Die Reihe:






Originalcover:






Weitere Meinungen:






Habt ihr das Buch schon gelesen?













Kommentare:

  1. Hallo Lena,
    echt, du fandest das Originalcover schöner als die deutsche Ausgabe? Ich finde die deutsche Ausgabe so schön <3

    Als ich gelesen habe, dass es in dem Buch auch sehr explizite erotische Szenen gibt, war ich ebenfalls überrascht. Vielleicht, weil man das von der Throne of Glass-Reihe so gar nicht kannte?!

    Viele Leserinnen scheinen Rhysand ins Herz geschlossen zu haben. Da bin ich ja schon richtig gespannt. Das muss ein toller Charakter sein ;o)

    Auch habe ich schon gelesen, dass der Anfang sehr langatmig sein soll.

    Meine Neugierde betreffend des Buches ist so groß, das glaubst du gar nicht. Ich freue mich schon, wenn ich damit beginnen kann. Ich hoffe es klappt noch an diesem Wochenende.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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    1. Hey Tanja,

      ich finde die deutsche Ausgabe nun auch sehr schön, bin aber damals auf die englischen Ausgaben aufmerksam geworden. Genau wie bei Elias und Laia. :)

      Throne of Glass habe ich immer noch ungelesen im Regal stehen, muss ich zugeben, daher kann ich die beiden Reihen nicht miteinander vegleichen...^^

      Den Anfang würde ich nicht direkt langatmig nennen, aber es dauert einfach ein bisschen, bis die Handlung ins Rollen kommt. Bei fast 500 Seiten würde ich das aber nicht als Nachteil bezeichnen. :)

      Ich wünsche dir schon mal ganz viel Freunde mit dem Buch!

      Lena ♥♥♥

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    2. Huhu Lena,
      bei der Throne of Glass-Reihe hänge ich derzeit auch. Ich muss unbedingt mal beim dritten (?) Band weiterlesen, bevor ich die Details aus den Vorgängern vergesse. Zumal ich auch gehört habe, dass der dritte Band richtig gut sein soll.

      Was Das Reich der sieben Höfe betrifft: Vielleicht magst du auch noch ein wenig bei unserer Leserunde mitdiskutieren? Dann können wir da auch noch etwas mehr zu einzelnen Punkten ins Detail gehen?
      Ich würde mich freuen :o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

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    3. Ja, das habe ich schon die ganze Zeit vor, komme aber nicht so richtig dazu :( Ursprünglich wollte ich ja richtig mitmachen...

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  2. Hallo liebe Lena,

    Die Schöne und das Biest? Erotische Szenen damit hattest du mich ja eigentlich schon, nur bin ich trotzdem etwas skeptisch, ob das Buch doch zu mir passt. Was meinst du, soll ich es mal testen?
    Liebe Grüße Cindy

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    1. Oh ja, ich kann nur jedem Märchenfan raten, sich ein eigenes Urteil über dieses Buch zu bilden. :) Gerade dir sagen solche von Märchen insperierten Bücher doch zu. :* Lies es! :D

      Liebe Grüße
      Lena ♥♥♥

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