Mittwoch, 3. Januar 2018

[Rezension] In Hexenwäldern und Feentürmen - Eine märchenhafte Anthologie (Hrsg. Christian Handel)





♥ OT:  /
♥ Reihe: Anthologie/ Kurzgeschichtensammlung
♥ Autor: Hrsg. Christian Handel, versch. Autoren
♥ Verlag: Drachenmond Verlag
♥ Preis: 14,90€ (broschiert)
♥ Erscheinungsjahr: Oktober 2017
♥ Seiten: 508
♥ Genres: Fantasy, Märchen


Nachdem mir Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln so wahnsinnig gut gefallen hatte, habe ich den Erscheinungstermin der zweiten Märchenanthologie sehnsüchtig erwartet und musste dann auch sofort anfangen zu lesen. Meine Rezension hat etwas auf sich warten lassen, aber hier ist sie endlich. :D


-> Rezension zu Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln




Tief verborgen in verwunschenen Wäldern leben magische Wölfe, weben finstere Hexen mächtige Zauber und suchen mutige Recken nach Erlösung. Lausche dem Gesang der Sirenen, triff den König der Feen und tanze mit den Wesen der Anderswelt im Mondlicht. Doch achte auf deine Schritte. Denn wer sich in den Schatten dieser Welt verliert, bleibt auf ewig verschwunden. Eine märchenhafte Anthologie!

Text & Cover: Drachenmond Verlag


Die Aufmachung der Anthologien aus dem Drachenmond Verlag ist einfach ein Traum, wobei mir das blaue Cover der ersten Anthologie noch einen Tick besser gefällt. Aber auch dieses Buch ist wunderschön gestaltet! Am Cover gefällt mir besonders die Farbkomposition, denn die kräftigen Blau-, Grün- und Gelbtöne harmonieren wunderschön miteinander. Das Bildmotiv passt perfekt zu dem der ersten Anthologie, da sich auch hier eine Frau mit wallendem Kleid im Zentrum befindet. Sehr schön finde ich das Pfauenmuster des Gewandes und das antike Buch in ihren Händen, wohingegen mir das Geweih auf dem Kopf eher weniger zusagt. Irgendwie finde ich, dass es komisch aussieht, obwohl die Idee an sich gut ist. Die Klippen im Hintergrund wirken sehr eindrucksvoll, geradezu unwirklich. Geschwungene Treppen führen zu zwei Burgen hinauf, die dem Gesamtbild zusätzlich etwas Magisches, Märchenhaftes Verleihen. Auch der Buchrücken sowie das Backcover sind wunderschön gestaltet und im Inneren finden sich, passend zu den einzelnen Geschichten, auf jeder Seite Illustrationen und Rankenmuster, die mit sehr viel Liebe zum Detail gezeichnet wurden.


In der Märchenanthologie sind 19 Kurzgeschichten verschiedener Autorinnen und Autoren enthalten, die sich allesamt düster und mystisch, aber äußerst abwechslungsreich lesen. Es gibt sowohl Märchen, die neu interpretiert oder verdreht werden, als auch komplett neue, eigenständige Erzählungen, die aber nicht weniger märchenhaft sind. Den Leser erwarten lange und kurze, verträumte und traurige, spannende und eher ruhige Geschichten, Happy Ends und Bad Ends - eine Vielzahl an komplett unterschiedlichen Ideen und Umsetzungen bekannter Märchenmotive. Jede Geschichte hat etwas, das sie besonders macht und von den anderen abhebt. Nie weiß man so recht, was einen mit dem nächsten Märchen erwartet, sodass man immer wieder aufs Neue überrascht wird und gerade das finde ich so toll an diesem Projekt! Es ist einfach für jeden Märchenfan etwas dabei. Am besten gefallen haben mir persönlich Der Preis, Die kleine Androidin, Der düsteren Stunde Glanz, Das Aschenputtel-Vermächtnis, Wie man Zauberspiegel baut und Nur so stark wie die Füße, die uns tragen, aber es gibt noch zahlreiche weitere Geschichten, die mich schwer begeistern konnten. Nur eine einzige Geschichte hat mir gar nicht zugesagt, aber bei so vielen verschiedenen Märchen finde ich das nicht allzu tragisch. Nun möchte ich gerne noch ein paar Worte zu jedem einzelnen Märchen verlieren. Meine absoluten Favoriten habe ich mit einem Herzchen markiert.



Der gläserne Turm
Michelle Natascha Weber

Die Geschichte spielt in der gleichen Welt wie der Roman Die Rabenkönigin, den ich allerdings noch ungelesen im Regal stehen habe. Man wird direkt ins Geschehen geworfen und findet sich in einem Turm aus Glas, im Reich des Feenkönigs, wieder. Dieser war eine für mich sehr interessante Figur. Aus der alten Legende ihrer Familie kennt Nimaë ihn als ein bösartiges uraltes Wesen, das Menschen verführt und ins Verderben zieht, jedoch gerät dieses Bild zunehmend ins Wanken... Die Geschichte ist sehr verwunschen und mystisch, ein fantasievolles Feenmärchen, in dem nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Außerdem ist mir sofort der schöne Schreibstil aufgefallen, der einfach genau nach meinem Geschmack ist - so märchenhaft und voller Metaphern, jedoch nicht zu ausschweifend. Das Ende ist zudem sehr interessant gelöst, denn es lässt sehr viel Raum für eigene Interpretationen und Vorstellungen.


Schneefieber ♥
Nina Blazon

Nina Blazon ist meine absolute Lieblingsautorin und kann mich mit ihren Geschichten immer wieder aufs Neue begeistern. Daher war ich auf ihren Beitrag zur Anthologie besonders gespannt. Schneefieber ist kein allzu langes Märchen und legt somit ein hohes Erzähltempo vor. Die Autorin hat ihre ganz eigene, düstere Version von Frau Holle geschaffen, eine sehr tragische, aber auch nachdenklich stimmende Erzählung, die nur leicht an das ursprüngliche Märchen angelehnt ist. Natürlich gibt es auch hier den für Blazon typischen Plottwist, der sehr unerwartet kommt. Mit dieser Auflösung hatte ich wirklich nicht gerechnet. Die Geschichte wird durchweg spannend und wunderschön erzählt, sodass ich geradezu durch die Seiten geflogen bin und sie viel zu schnell zuende ging. Mich haben die letzten Seiten sehr melancholisch gestimmt, sodass Schneefieber noch lange in meinen Gedanken nachklingen wird.


Rot wie Schnee
Alxandra Fuchs

Mit dieser Geschichte bin ich leider bis zum Schluss nicht richtig warmgeworden. Zwar hatte ich wirklich Lust mal eine Adaption von Rotkäppchen zu lesen, jedoch konnte sie mich einfach nicht packen. An sich ist die Geschichte sehr rund und die Auflösung interessant, allerdings hat sie einfach nicht meinen persönlichen Geschmack getroffen. Am Anfang wollte einfach keine Spannung beim Lesen aufkommen; die Handlung plätschert nur so vor sich hin. Der Mittelteil hat mir dann deutlich besser gefallen: Mysteriöse Vorkommnisse, ein geheimnisvoller Fremder und eine Protagonistin, die nicht länger zwischen Traum und Realität zu unterscheiden weiß. Was das Ende und die letzten Seiten angeht, hat mir aber auch wieder das gewisse Etwas gefehlt. Trotzdem werden Fans von Wölfen hier wohl auf ihre Kosten kommen, da diese Tiere - nicht ganz überraschend - eine große Rolle in der Geschichte spielen.


Der Preis ♥
Patricia Briggs

Bisher habe ich noch kein Buch von Patricia Briggs gelesen, aber nach dieser fantastischen Rumpelstielzchen-Adaption muss ich das definitiv nachholen. Bisher kannte man Rumpelstielzchen als listigen Zwerg, der einer Müllerstochter das erstgeborene Kind nehmen möchte, doch das Grimmsche Märchen wird hier einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet. Briggs orientiert sich, was den Storyverlauf angeht, stark an der Grimm-Version, jedoch hat sie der Figur des Rumpelstielzchen eine neue Rolle zugedacht. Am Ende fließt dann sogar noch ein wenig Die Schöne und das Biest mit ein, was überraschend gut passt. Eine wundervolle Geschichte!


Goldregen und Weihrauch
Lena Falkenhagen

Auch hier werden die Rollen von Gut und Böse einfach umgekehrt, allerdings ist die Atmosphäre eine ganz andere als in der vorherigen Geschichte. Die Autorin hat eine sehr erotische, verdrehte Version von Rapunzel geschaffen, die sich stark an der ursprünglichen, düsteren Erzählung des Märchens orientiert - bevor es für Kinder angepasst wurde. Trotzdem wartet noch ein ungeahnter Plottwist auf den Leser, der mich wirklich überraschen konnte. Durch den geringen Seitenumfang liest sich Goldregen und Weihrauch sehr kurzweilig.


Das Aschenputtel-Vermächtnis
Nina MacKay

Nina MacKays Beitrag ist mit eine der längsten Geschichten in der Anthologie, was man jedoch gar nicht merkt, sobald man einmal richtig eingetaucht ist. Die Autorin war mir bereits durch ihren Hipster-Wolf bekannt und so hat es mich sehr gefreut, dass sie ihren Ideenreichtum und Humor beigesteuern durfte. Anfangs noch eher eine 08/15-Prinzessinnengeschichte, die mich ab und an leicht an Selection erinnerte, wird es im weiteren Verlauf richtig spannend, überraschend anders und auch amüsant! Ich wollte unbedingt wissen, was die Königin plant und was das Ganze mit der Protagonistin zu tun hat.


Der Jäger
Stephan R. Bellem

Hier erzählt der Jäger aus Schneewittchen seinem Sohn rückblickend von der Flucht der jungen Prinzessin und seiner eigenen Rolle darin. Zunächst war ich mehr als skeptisch, was den Sinn dieser Kurzgeschichte angeht, denn sie braucht recht lange, um sich zu entfalten und weist am Anfang einige Längen auf. Später wurde es allerdings immer interessanter und auch spannender. Mit dem Ende hätte ich wirklich nicht gerechnet, es hat mich ein wenig perplex zurückgelassen. Insgesamt ist Der Jäger zwar nicht unbedingt meine Lieblingsgeschichte in der Anthologie, aber dennoch ein toller Beitrag, der ein weiteres Märchen in einem anderen Licht erscheinen lässt.


Der düsteren Stunden Glanz
Halo Summer

Wow, Halo Summer hat mich wirklich umgehauen! Sie bedient sich gleich mehrerer Märchen und Legenden verschiedenster Kulturen und kombiniert diese zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis. Die Geschichte ist recht düster, fantasievoll, temporeich und vor allem unverbraucht und originell. Immer wieder konnte sie mich überraschen, denn, wie sich erst nach und nach erschließt, ist die Handlung deutlich komplexer als sie am Anfang erscheinen mag!


Die Flöte im Mondlicht
Sylvia Johanna Sollfrank

Auch dieser Beitrag hat mich positiv überrascht, denn eigentlich kann ich mit irischen Legenden nicht so viel anfangen, wie bspw mit den deutschen Hausmärchen oder orientalischen Erzählungen. Die Geschichte hebt sich aber auf ihre eigene Weise von den anderen ab, denn sie liest sich eher wie ein historischer Roman mit leichten Fantasy-Elementen. Es gibt zwei sich abwechselnde Perspektiven, einmal die eines jungen Hausmädchens und zum anderen die Tagebucheinträge ihrer Herrin und besten Freundin. Ihr Leben und ihre, den verschiedenen Ständen geschuldete, langsam zerbrechende Freundschaft werden sehr eindrücklich und interessant geschildert. Erst gegen Ende nimmt der Fantasy-Aspekt zu und lenkt die Geschichte in eine unerwartete, tragische Richtung...


Träume aus Glas und Stein
Andreas Suchanek

Die einzige Geschichte, die mir so gar nicht gefallen hat. Meiner Meinung nach liest sie sich überhaupt nicht märchenhaft, sondern wie ein komprimiertes Fantasyabenteuer und dann soll es plötzlich die Vorgeschichte zu einem bekannten Märchen sein. Ich habe von Anfang bis Ende nicht durchgeblickt und langweilig fand ich das Gelesene leider auch. Mit den Charakteren bin ich ebenfalls nicht zurechtgekommen, da sie mir sehr blass und eindimensional erschienen. Wirklich schade!


Ascherfeld
Oliver Schlick

Nach so vielen Grimmschen Märchenadaptionen wäre es doch auch mal interessant etwas über die Gebrüder Grimm selbst zu lesen, nicht wahr? Oliver Schlicks Geschichte handelt jedoch in erster Linie nicht von den Brüdern, sondern von einem Linguisten mit dem Namen Ascherfeld, der in ihrer Zeit lebt und nach einer beschämenden Begnung mit den beiden Hals über Kopf die Stadt verlässt. Im Laufe der Handlung verirrt er sich im Wald und stellt fest, dass Märchen wohl doch keine frei erfundenen Hirngespinste sind, wie er immer glaubte... In seinem Leben musste Ascherfeld viele Niederlagen einstecken, weshalb er sehr frustriert ist. Außerdem trägt er seit langen Jahren ein schreckliches Geheimnis mit sich herum, welches in Anlehnung an Hänsel und Gretel viel Spannung einbringt. Die Geschichte hat auch wieder ihren ganz eigenen Reiz, liest sich sehr interessant, konnte mich allerdings nicht wirklich umhauen.


Sirenengesang ♥
Katharina Seck

Ich liebe Andersens Kleine Meerjungfrau und alle Geschichten, die von diesen faszinierenden Wesen handeln, daher war ich schon sehr gespannt auf Katharina Secks Interpretation des Märchens. Die Ereignisse werden mal nicht aus Sicht der Meerjungfrau geschildert, sondern aus der Perspektive ihrer Rivalin, der Frau, die ebenfalls um das Herz des Prinzen buhlt. Diese ist im ursprünglichen Märchen immer zu kurz gekommen, ist sie doch nur ein reines Mittel zum Zweck - das Hindernis, das dem Glück der kleinen Meerjungfrau im Weg steht. Doch in Katharina Secks Adaption ist alles anders: Meerjungfrauen sind jene bösartige Kreaturen, die wir aus alten Legenden kennen. Sie singen, um Schiffe auf die Felsen zu steuern und Seemänner in den Tod zu reißen. Was also, wenn die Meerjungfrau den Prinzen gar nicht retten wollte? Eine grandiose Idee und eine ebenso fantastische Umsetzung dieser erwarten den Leser in Sirenengesang.


Schwestern der Hecke ♥
Jim C. Hines

Jim C. Hines geht ebenfalls einer spannenden Frage nach, deren Antwort mehr als erschütternd ist. In seiner Version von Dornröschen enthüllt er nämlich, was mit jenen Prinzen und Königssöhnen passierte, die beim Versuch, zur schlafenden Prinzessin zu gelangen, in den Dornen der Hecke hängenblieben. Die Ordensschwestern einer kleinen Kirche haben es sich sich zur Aufgabe gemacht, sich um die dahinsiechenden Männer zu kümmern, was schonungslos und mitunter ziemlich ekelig geschildert wird. Der Autor beschreibt diesen nie erzählten Teil der Geschichte, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Gleichermaßen fantasievoll wie erschreckend verwebt er das bekannte Kindermärchen mit Elementen der ursprünglichen Erzählung und seinen eigenen neuen Ideen, was ich einfach nur genial fand! Eine sehr atmosphärische, düstere und eindrucksvolle Geschichte.


Der Grimmfluch
Nicole Böhm

Allerleirauh ist wohl nicht gerade das bekannteste Märchen, aber es ist ein sehr schönes, das ich bereits als Kind gerne gelesen habe. Das darauf basierende Märchen Der Grimmfluch von Nicole Böhm beginnt sehr dramatisch und greift ein umstrittenes Element der Märchenliteratur auf: Inzest. Prinzessin Elena droht nämlich, ihren eigenen Vater heiraten zu müssen. Ihre Gedankenwelt wird sehr eindrücklich geschildert und man bangt um sie, fiebert richtig mit ihr mit, ob sie ihrem erschreckenden Schicksal entkommen wird. Die Geschichte schlägt jedoch mehr als einmal eine vollkommen neue Richtung ein und hält einige Überraschungen bereit. Leider ging mir damit aber auch die ursprüngliche Geschichte zu sehr verloren.


Wie man Zauberspiegel baut ♥
Christian Handel

Obwohl ich die Anthologie eigentlich chronologisch von der ersten bis zur letzten Geschichte lesen wollte, habe ich für dieses Märchen mit der Regel gebrochen und es direkt als erstes verschlungen. Viel zu neugierig war ich auf Christian Handels neue Kurzgeschichte. Er entführt uns ins italienische Murano, Heimat der Glaskunst. Vor der Kulisse eines Venedigs aus längst vergangenen Tagen erzählt der Autor von Tiziano, dem Lehrling eines Spiegelmeisters, dessen erster großer Auftrag darin besteht, der Edeldame Marezini einen prachtvollen Zauberspiegel anzufertigen. Obwohl es tatsächlich in erster Linie um den Entstehungsprozess des Spiegels geht, wird es zu keiner Zeit langweilig, sondern bleibt durchweg spannend und interessant! Schritt für Schritt nimmt der Spiegel Form an, was sehr fantasievoll geschildert wird. Wie ein roter Faden zieht sich zusätzlich eine langsam entstehende, verbotene Romanze durch die Handlung. Auf wenigen Seiten wird eine unglaublich dichte, malerische Atmosphäre geschaffen, die auf mich sehr einnehmend gewirkt hat. Auch die Charaktere sind wirklich liebenswert und tiefgründig skizziert. Mich hat dieses Märchen komplett begeistern können: Überraschend, romantisch, verwunschen und genau nach meinem Geschmack. Das Ende schlägt schließlich eine sehr unerwartete Richtung ein und lässt mich auch jetzt noch nicht ganz los. Ich fand es schlichtweg genial und hatte Tränen in den Augen, so sehr hat es mich mitgenommen!


Das Rattenbiest
Julia Adrian

Nach ihrer großartigen Geschichte in der ersten Anthologie hatte ich hohe Ansprüche an Julia Adrian. Erneut geht sie näher auf die Vergangenheit einer ihrer Romanfiguren aus Die dreizehnte Fee ein, allerdings muss man die Trilogie zuvor nicht gelesen haben (das habe ich selbst auch nicht). Was habe ich mich gefreut, dass auch hier wieder Sirenen eine Rolle spielen! Die Handlung liest sich an vereinzelten Stellen zwar etwas wirr, aber der Schreibstil ist dafür umso schöner und bildgewaltiger. Sehr gefallen hat mir, dass die Autorin eine Geschichte in der Geschichte erzählt und diese dann zu einer einzigen verschmelzen lässt. Schnell nimmt die Spannung immer mehr zu, wodurch ich schon bald eine unheimliche Sogwirkung gespürt habe.


Der Kristall des blauen Mondes
Bettina Belitz

Bettina Belitz ist eine wirklich tolle Autorin und so war ich sehr gespannt, wie sie sich mit einem Märchen schlagen würde. Es handelt sich um eine komplett eigenständige Geschichte, deren Kern Wünsche und ihre Tücken bilden, aber zu meiner großen Begeisterung ist auch ein magisches Einhorn Teil dieser Welt! Ich habe mich von der melancholisch-traurigen Atmosphäre verzaubern lassen und gebannt Seite um Seite verschlungen. Besonders den Schreibstil finde ich großartig! Leider hat für mich einiges im weiteren Verlauf keinen Sinn ergeben, die Zusammenhänge zwischen dem Wunsch und den Vorkommnissen haben sich mir nicht erschließen wollen. Gerade zum Ende hin war ich sehr verwirrt. Zwar ist es gut, dass man als Leser etwas spekulieren darf, jedoch wären ein paar zusätzliche Erklärungen ganz nett gewesen. So habe ich die Geschichte mit gemischten Gefühlen hinter mir gelassen.


Die kleine Androidin
Marissa Meyer

Die kleine Androidin spielt in der gleichen Welt wie Marissa Meyers Luna-Chroniken, die zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zählen. Es handelt sich somit um die einzige Geschichte, die zeitlich in der Zukunft angesiedelt ist. Sehr überrascht hat mich, dass auch hier Die kleine Meerjungfrau von Hans Christian Andersen adaptiert worden ist, allerdings ganz anders als es Katharina Seck mit Sirenengesang getan hat. Statt einer Meerjungfrau spielt eine Androidin die Hauptrolle und die einzelnen Elemente des Märchens werden großartig auf dieses neue Setting und Meyers eigene Ideen übertragen. Alles ist bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und wird spannend erzählt. Obwohl die Geschichte eine der längsten im Buch ist, wird es zu keiner Zeit langweilig, so fesselnd und wundervoll ist sie geschrieben. Die Stimmung würde ich als eher wehmütig und bittersüß beschreiben, denn es wird eine Liebesgeschichte der besonderen Art erzählt, die mit liebevoll ausgearbeiteten Charakteren punkten kann. Ich habe mitgefiebert, mitgeweint und blieb nach dem Ende vollkommen aufgelöst zurück. Marissa Meyer schafft es immer wieder mich mit ihren Geschichten zu berühren und zu begeistern. Die kleine Androidin ist übrigens ursprünglich in Stars Above, dem Zusatzband der Luna-Chroniken, erschienen. Diesen gibt es bisher allerdings nur auf Englisch.


Nur so stark wie die Füße, die uns tragen
Maggie Stiefvater

Kurz, aber oho! Maggie Stiefvater (bekannt durch verschiedene Jugendbücher wie Nach dem Sommer oder Wen der Rabe ruft) adaptiert Die Prinzessin auf der Erbse auf eine sehr lustige Weise neu. Ich möchte gar nicht zu viel verraten, aber ich habe herzlich gelacht! Für mich der perfekte Abschluss einer vielseitigen Märchensammlung. Bislang habe ich noch kein einziges Buch der Autorin gelesen, werde das aber dringend nachholen müssen!


In Hexenwäldern und Feentürmen ist eine abwechslungsreiche Märchenanthologie voller Magie, Fantasie und Liebe, die ihrem Vorgänger in nichts nachsteht. Die neuen Geschichten haben mir insgesamt sogar noch etwas besser gefallen, aber das kommt letztendlich ganz auf den Geschmack und das eigene Empfinden des Lesers an. Besonders gefallen hat mir, dass sich einige Märchen auch um Meerjungsfrauen oder Einhörner drehen, denn diese Fabelwesen faszinieren mich sehr. Ich kann dieses Buch allen Märchenliebhabern nur ans Herz legen! Lest diese Anthologien, sie sind einfach magisch!







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Weitere Bücher:




Wie der Herausgeber Christian Handel Anfang des Jahres auf seinem Blog bekanntgegeben hat, wird noch eine dritte Anthologie erscheinen, an der bereits fleißig gearbeitet wird! ♥.♥



Weitere Meinungen:





♥♥♥








Kommentare:

  1. Hallo Lena,

    die Anthologie habe ich mir auf der vergangenen Buchmesse in Frankfurt gekauft und von Christian signieren lassen. Dein Beitrag gefällt mir und ich bin schon sehr neugierig auf die Geschichten.

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo Uwe,

      entschuldige bitte die späte Antwort, ich habe einfach momentan zu viel um die Ohren und komme mit den Kommentaren nicht hinterher. :/

      Ich habe das Buch ebenso auf der FBM gekauft und signieren lassen. :) Christian ist echt ein super nett und kreativ, du solltest die Märchen unbedingt bald lesen, wenn du das mittlerweile nicht bereits getan hast.^^

      Liebe Grüße
      Lena :)

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  2. Huhu Lena,

    auf die Rezension war ich ja gespannt. :D Und sie überzeugt wirklich. Die beiden Anthologiebände stehen definitiv auf meiner WTR-Liste für 2018! :3

    LG Alica

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    1. Yeeehaaaa, das freut mich. LESEN!!! SOFORT!!!! XD

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  3. Aloha Lena,

    oh! Mein! Gott! Das klingt richtig, richtig gut!!! Du hattest ich eigentlich schon bei deinen Worten zu Schneefieber. Mich interessiert eine Adaption zu Frau Holle sehr. Dass die Geschichte von Nina Blazon geschrieben wurde und diese auch noch zum Nachdenken anregt, hat mich natürlich sofort angefixt.

    Bei deinen Worten zu Sirenengesang und bei dem Namen Marissa Meyer musste ich direkt auch an das Buch "Because you love to hate me" denken, dass ich gegen Ende des Jahres 2017 auch noch gelesen habe. (Sirenengesang ist zwar nicht von Marissa Meyer, aber diese Wörter haben die Erinnerung geweckt xD) Das war auch meine erste Kurzgeschichten-Sammlung voller Märchenadaptionen, die ich je gelesen habe. Ich bin mir nicht sicher, ob du bereits auf das Buch aufmerksam geworden bist, allerdings handelt es sich dabei um Kurzgeschichten zu den typischen Bösewichten. Darin schreibt Marissa Meyer auch eine Kurzgeschichte zur Rivalin von Ariel/die kleine Meerjungfrau und die Kurzgeschichte war der Wahnsinn!

    Julia Adrians Geschichte würde mich natürlich auch sehr interessieren. "Das Rattenbiest" kam mir sogar noch bekannt vor und ich bin richtig neugierig, welche Geschichte sich die Autorin noch zu ihr einfallen lassen hat. Aaah, diese Märchen-Sammlung kommt auf alle Fälle auf meine Wunschliste. =D Vielen, vielen Dank für diese wunderschöne Rezension. ♥

    Ganz liebe Grüße
    Leni ♥♥♥♥♥♥♥♥

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    1. Konnitiwa Leni-chan,

      Nina Blazon war wie gewohnt exzellent, sie ist ja meine Lieblingsautorin. (Hast du endlich die Bücher von ihr gelesen, die du auf deinen SuB gelegt hattest?! :P ) Allerdings haben mir eine Reihe anderer Geschichten sogar noch besser gefallen! ;)

      Auf "Because you love to hate me" bin ich tatsächlich schon aufmerksam geworden - durch dich. :) Ist direkt auf meine WuLi gewandert damals.

      Yay, setz beide Märchenanthologien auf deiner WuLi, du wirst sie lieben, denke ich! ♥

      Liebe Grüße
      Lena ♥♥♥♥♥♥

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  4. Hey Lena
    auf das Buch bin ich so gespannt darauf. Ich hoffe das ich bald das Buch endlich lese. Ich habe das Buch schon auf dem E-Book Format gekauft. Das Buch warte schon darauf das man es liest. Ich bin durch die Autorin Nicole Böhm aufmerksam geworden.

    Deine Rezension gefällt mir sehr gut. Ich freu mich so darauf wenn ich das Buch endlich lese kann.

    LG Barbara
    My Book&Serie&Movie Blog

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    1. Hey Barbara,

      dann bin ich mal gespannt, wie dir die Geschichten gefallen werden und ob sie was für dich sind. :) Die Geschichte von Nicole Böhm war auf jeden Fall sehr gut.

      Liebe Grüße
      Lena ♥♥♥

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