Mittwoch, 13. September 2017

[Rezension] Fallen Queen - Ein Apfel, rot wie Blut (Ana Woods)







♥ OT: /
♥ Reihe: Band 1/3
♥ Autorin: Ana Woods
♥ Verlag: Drachenmond Verlag
♥ Preis: 12,90€ (TB)
♥ Erscheinungsjahr: 2017
♥ Seiten: 250
♥ Genres: Fantasy, Märchenfantasy


Ich habe mir so viel von diesem Buch erhofft, aber es hat sich leider als absoluter Reinfall erwiesen. In dieser Rezension werde ich versuchen zu erklären, was mich alles daran gestört hat.

Cover: Drachenmond Verlag, Marie Grasshoff





Achtung, die Rezension enthält einige kleinere Spoiler zur Veranschaulichung meiner Kritikpunkte!



Wenn aus Schwestern Feindinnen werden und Äpfel Königinnen zu Fall bringen.

Erst wenn Königin Nerina sich einen Gemahl erwählt hat, darf die Prinzessin des Landes heiraten. Was aber, wenn sie sich in den Mann verliebt, den auch das Herz ihrer Schwester begehrt? Um den Thron betrogen und zum Tode verurteilt flieht Nerina in den Verwunschenen Wald, einen Ort, den viele Menschen betraten, doch niemals mehr verließen.

Text: Drachenmond Verlag


Die Aufmachung ist für mich wirklich einer der wenigen Pluspunkte des Buches. Ist das Cover nicht wunderschön? Das Motiv passt einfach perfekt zu einer Adaption von Schneewittchen und hat mich mit der kontrastreichen Farbgebung direkt in seinen Bann gezogen. Der knallrote Apfel leuchtet geradezu; man möchte am liebsten sofort hineinbeißen (wobei man das vielleicht doch besser nicht tun sollte). Im Hintergrund ist schemenhaft der Wald abgebildet, in dem sich fast die gesamte Handlung abspielt. Insgesamt sind mir die Farben aber etwas zu düster geraten, denn so erwartet man eine sehr epische, tiefgreifende Geschichte, die hier einfach nicht gegeben ist. Wie das Blut langsam am Buchtitel heruntertropft, finde ich jedoch einfach genial! Neben dem Apfel sind die Schrift und das Blut die einzigen roten Elemente des Covers, wodurch es zu einem echten Eyecatcher wird. Die Schrift ist für meinen Geschmack zu schmal geraten, denn man kann sie leider besonders auf dem Buchrücken kaum entziffern. Dagegen finde ich die kleine filigrane Krone über dem Untertitel umso süßer.


Fallen Queen hat mich ziemlich enttäuscht. Ich hatte mir ein märchenhaftes Buch für zwischendurch erhofft, dass sich schnell weglesen lässt, doch dieser Reihenauftakt las sich überraschend zäh und unausgereift. Die Ansätze zu einer guten Märchenfantasy sind eigentlich gegeben, denn in ihrem Debütroman hält Ana Woods fantasievolle Ideen und einige interessante Wendungen für uns bereit, doch an der Umsetzung mangelt es leider gewaltig. Insgesamt ist das Buch einfach zu kurz geraten, so hatte ich besonders am Anfang das Gefühl, eine Zusammenfassung oder eine zu lang geratene Kurzgeschichte zu lesen. Auf den ersten Seiten verstreichen ganze Jahre, während ein Aufenthalt im Gefängnis und die Flucht aus dem Palast sich schier endlos über mehrere Kapitel erstrecken. Den Rest des Buches über befindet sich Nerina nur noch auf der Flucht oder Durchreise, ohne dass sie dabei wirklich etwas erreichen würde. Zu keiner Zeit kam für mich Spannung auf, die Handlung plätschert einfach so vor sich hin, obwohl sie doch eigentlich mit ihren wenigen Sätzen ein so hohes Tempo vorlegt. Meistens wird aber nur auf Nichtigkeiten näher eingegangen, die ich ab und an überfliegen musste, um mich am Lesen zu halten. Hier liegt wirklich eine ganz komische Mischung von überhetzten und langatmigen Szenen vor. Es wirkt auf mich einfach nicht wie der Auftakt einer Trilogie, sondern als hätte man einen längeren Roman zwanghaft in drei Teile splitten wollen. Die komplette Handlung würde als Einzelband wohl besser funktionieren oder hätte mit Band 1 lieber einen runden Abschluss finden sollen. Im Laufe der Geschichte verdichtet sich der Plot zwar ein wenig und wichtige Dinge werden auch nicht mehr ganz so schnell abgehandelt wie zu Beginn, aber im Großen und Ganzen fehlt es dem Buch enorm an gutem Storytelling und vor allem an Tiefgang und Glaubwürdigkeit. Wer möchte schon gerne eine vollkommen fremde Frau küssen, die sich seit über zwei Monaten nicht mehr gewaschen hat und bestimmt auch dementsprechend aussieht/ riecht?!

Besonders die vor Clichés triefende Liebesgeschichte(n) habe ich den Charakteren absolut nicht abgenommen. Es gibt natürlich - wie sollte es auch anders sein! - ein Liebesdreieck der ganz üblen Sorte. Die erste unsterbliche Liebe entwickelt sich direkt am Anfang des Buchs im Schnelldurchlauf auf wenigen Seiten und es wird nur rückblickend näher darauf eingegangen. Angeblich ist es die ganz große Liebe auf den ersten Blick und der Auserwählte ist einfach unheimlich toll und perfekt. Nur merkt man davon so gar nichts, weil dem Leser gar nicht erst die Chance gegeben wird, die Liebesgeschichte nachvollziehen zu können. Das Ganze hat mich ziemlich kalt gelassen und genervt. Diese seitenlangen Rückblenden empfand ich eher als unheimlich anstrengend, kitschig und viel zu ausschweifend. Sie sind einfach nicht relevant für die Story, wie so manches andere Geschehen im Buch.

Natürlich lernt Königin Nerina auf ihrer Flucht aber gleich noch einen Traumtypen kennen und kann sich fortan einfach nicht entscheiden, ob sie Tero nun fürchterlich rüpelhaft oder fürchterlich anziehend findet - aber, oh nein, eigentlich ist sie doch unsterblich in Jalmari verliebt! :O Clichés müssen nicht unbedingt immer etwas Schlechtes sein, finde ich - wenn das Gesamtpaket zu überzeugen weiß. Fallen Queen besteht allerdings geradezu aus einer Aneinanderreihung von schlecht umgesetzten, vorhersehbaren Clichés. Dies war auch ein Grund dafür, warum mir das Buch immer zäher vorkam, ich mich mehr und mehr durchquälen musste. Das schlimmste Cliché stellt aber einfach das Ende des Buches dar, das wohl als "fieser Cliffhanger" fungieren sollte. Ich sage es mal so: Als Tero zum ersten Mal auftrat, wusste ich sofort, wie das Buch enden würde. Aus einer bösen Vorahnung wurde bitterer Ernst, sodass es zu keinerlei Überraschungen mehr kam und ich beim Zuklappen des Buches nur noch die Augen verdrehen konnte.


Grundsätzlich sind die Charaktere schon ganz okay, aber nicht sonderlich konsequent skizziert. Sie handeln mal so, mal so, nach keinem bestimmten Muster, sind dadurch unberechenbar und sehr eindimensional gehalten. Gerade Nerina kann sich nie so ganz entscheiden, ob sie nun ein Naturkind ist, das sich der Welt außerhalb des Palastes immer nahe gefühlt hat, oder die behütete Königin, die draußen total aufgeschmissen ist. Noch dazu ist ihr Charakter einfach viel zu glatt: Sie ist unglaublich bescheiden, opfert sich stets für das Volk auf und selbst als sie in Lebensgefahr schwebt, denkt sie selbstverständlich nur daran, was aus ihrem Volk wird. Ihre Schwester ist ganz offensichtlich zu einem verrückten, herzlosen Monster mutiert, aber Nerina glaubt natürlich an das Gute in ihr und lässt sich von ihr hintergehen, reinlegen, in den Kerker werfen und zum Tode verurteilen, ohne sich auch nur eine Sekunde lang zu wehren oder ihre Unschuld zu betäuern. Aber es steckt ja bestimmt etwas Gutes in Eira und eigentlich meint sie es ja nicht so und Nerina ist selbst an allem schuld. Sicherlich. Zusätzlich schmachtet sie ständig ihren über alles Geliebten Jalmari an, was sie einfach unglaublich naiv und realitätsfern wirken lässt. Gelegentlich lacht sie auch in den unpassendsten Momenten.

Eira dagegen fand ich da deutlich interessanter und ich habe die wenigen Kapitel aus ihrer Sicht um einiges lieber gelesen. Sie ist die Böse in der Geschichte und wird als solche natürlich skrupellos und kaltherzig dargestellt (was ich oft etwas überzogen fand). Ihre Beweggründe und der Grund für ihre Veränderung werden aber recht nachvollziehbar dargestellt, obwohl die Geschichte so schnell erzählt wird. Ich konnte mir gut ausmalen, wie sie sich so sehr verändern konnte - von der lieben kleinen Schwester zur eiskalten, rachsüchtigen jungen Frau - denn direkt am Anfang bekommt man ja eine Menge Backstory aufgetischt, was ihr als einzigem Charakter zumindest ein wenig Tiefe verleiht.

Über Jalmari weiß man kaum etwas; der perfekte Prinz taucht einfach am Anfang des Buches auf, hat kaum etwas zu sagen und verschwindet dann wieder von der Bildfläche. Nerinas unsterbliche Liebe zu ihm konnte ich daher nicht nachvollziehen und sein Verschwinden mir so gar nicht nahegehen. Tero, den Jägersmann, als einen neuen Love Interest bereitzustellen fand ich für eine Neuadapation des Märchens ganz interessant, aber da haperte es mal wieder an der Umsetzung. Er hat eigentlich keine richtige Persönlichkeit vorzuweisen, lediglich extreme Stimmungsschwankungen. Bei ihm hat es die Autorin wohl mit der Harte-Schale-Weicher-Kern-Sache etwas übertrieben. Aber hauptsache, er sieht auch nach einer tagelangen Durchreise "gepflegt" aus und kann exquisit "kochen" - nämlich Butterbrote.

Die Anspielung auf die sieben Zwerge aus Schneewittchen fand ich eigentlich ganz nett, aber diese ist lediglich eine tolle Idee geblieben, denn die Nebencharaktere sind noch blasser ausgefallen als die Hauptcharaktere. Ich konnte mir gar nicht richtig merken, wer nun wer ist und meine Einstellung zu ihnen blieb bis zum Ende durchgehend neutral.


Eine weitere Schwäche des Buches liegt ganz klar in seinem Schreibstil. Es sind durchaus gute Ansätze vorhanden, jedoch muss sich die Autorin auch hier noch entwickeln. Ihre Intention war es wohl, den Roman in einem märchenähnlichen Stil zu schreiben, jedoch stört die Ich-Perspektive irgendwe dabei. Zwar liest sich Fallen Queen insgesamt nicht grottenschlecht, aber sehr holprig, was schon bei der seltsamen Wortwahl beginnt. Ana Woods hat wirklich so einige komische Formulierungen eingebaut, angefangen bei Charakteren, die sich gegenseitig "ins Ohr brüllen". So sind auch die Dialoge überhaupt nicht authentisch, eher nüchtern und emotionslos - wenn man denn mal einen findet, denn daran wurde eher gespart. Besonders platt und unlogisch fand ich es, als Nerina ihrer Schwester von einem "aggressiven Mann, der ihre Eltern niederstach" erzählt. Emotionen? Feingefühl? Fehlanzeige! Andauernd werden die unterschiedlichsten Gefühle beschrieben, von denen man jedoch überhaupt nichts spürt. Es heißt nicht umsonst: Show, don't tell.

Fallen Queen weist grobe stilistische Mängel auf, die in einem Lektorat und Korrektorat einfach hätten auffallen müssen. Schon nach wenigen Seiten fragte ich mich allerdings, ob ein solches überhaupt stattgefunden hat oder ob ich gerade eine Rohfassung des Romans in den Händen halte. Dies ist keine überspitzte Darstellung meinerseits - es ist leider wirklich genau so, wie ich es hier schreibe. Zusätzlich zu der unpassenden Verwendung vieler Wörter und Begriffe liegen nämlich auch schwerwiegende Tempus-/ Zeitfehler vor, die nach einem durchlaufenen Korrektorat so nicht hätten auftreten dürfen. Die sogenannte Vorvergangenheit, die allgemein im Plusquamperfekt geschrieben gehört ("Ich hatte das und das getan, bevor ich dies und das machte") wird überhaupt nicht beachtet und einfach alles in der sogenannten "einfachen Vergangeheit" runtergerattert. An einigen Stellen fand sich aber auch ein Verb in der Gegenwartsform, wo definitiv keines hingehörte.

Außerdem fand ich es sehr irritierend, wie die Protagonistin ständig ihren eigenen Gesichtsausdruck, den Blick in ihren Augen oder ihre Art zu lächeln beschreibt, als hätte sie einen Spiegel vor sich. Solche Beobachtungen, wie zB ein hoffnungsvoller Blick oder ein siegessicheres Lächeln kann man vielleicht an Anderen beobachten, jedoch nicht an sich selbst. Solche merkwürdigen Beschreibungen, die erzählerisch in der Ich-Perspektive einfach nicht funktionieren, finden sich aber auf fast jeder einzelnen Seite, was mich immens aus dem Lesefluss gebracht hat.


Ich wollte dieses Buch wirklich mögen, aber ich konnte es nicht. Die Geschichte hätte so episch werden können und die Ideen dazu waren eigentlich vorhanden, nur die Umsetzung ist einfach katastrophal ausgefallen. Es kommt mir so vor, als wäre die Autorin ihren eigenen Ideen noch nicht gewachsen, als hätte das Buch schnell fertig werden müssen. Natürlich muss ein Debütroman keinesfalls perfekt sein, aber besonders eine unerfahrene Autorin sollte schon irgendwie an die Hand genommen und in die richtige Richtung geführt werden. Hier ist dies offensichtlich nicht geschehen. Fallen Queen weist einfach viel zu viele Ungereimtheiten und sprachliche Mängel auf, zusätzlich zerfließt es geradezu in Clichés. Ich bin wirklich enttäuscht und denke, dass ich die Folgebände wohl nicht lesen werde.





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Kommentare:

  1. Oha, das hört sich ja wirklich gruselig an. :D Mich hätte das Buch aber ehrlich gesagt schon vom Cover her nicht angesprochen - das finde ich im Gegensatz zu dir recht langweilig. :D
    Jedenfalls klingt das für mich auch etwas danach, als hätte die Autorin sich das Buch nach dem Zuendeschreiben selbst nicht noch einmal mit etwas Abstand durchgelesen. :O Immer schade, wenn das Potential einfach nicht ausgeschöpft wurde...

    LG Alica

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    1. Hey Alica,

      das ist ganz komisch, bisher haben sich Leute mir gegenüber nur auf zwei sehr gegensätzliche Arten über das Cover geäußert: Die einen finden es, so wie ich, einfach hammer und wunderschön, während die anderen es langweilig und nicht besonders finden. Etwas dazwischen habe ich noch nicht gehört/ gelesen XD

      Hier hat anscheinend nicht nur die Autorin nicht mehr drübergelesen, sondern alle Beteiligten -.-

      Liebe Grüße
      Lena ♥♥♥

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