Dienstag, 1. August 2017

[Rezension] Murder Park (Jonas Winner)






♥ OT: /
♥ Reihe: Einzelband
♥ Autor: Jonas Winner
♥ Verlag: Heyne
♥ Preis: 12,99€ (Klappenbroschur)
♥ Erscheinungsjahr: 2017
♥ Seiten: 416
♥ Genres: Thriller, Psychothriller


Als ich dieses Buch in der Verlagsvorschau des Heyne Verlags entdeckte, wusste ich sofort, dass ich es unbedingt lesen musste. Und tatsächlich konnte Murder Park mich wirklich begeistern: Intelligent, schockierend und absolut krank - so mag ich das. :D


Cover: Heyne



Wie eine düstere, turmhohe Schildkröte erhob sich die Insel dicht vor ihnen, und das Rauschen der Brandung erfüllte die Luft mit dumpfem Brausen. Ein kalter, kahler Felsen, der tief unten am Meeresboden verankert war und von der salzigen Gischt, den eisigen Regentropfen und dem scharfen Wind umtost wurde wie von fliegenden Nadelspitzen.

(S. 45)



Zodiac Island vor der Ostküste der USA: ein beliebter Freizeitpark – bis dort ein Serienmörder drei junge Frauen auf bestialische Weise tötet. Der Täter Jeff Bohner wird schnell gefasst, der Park aber geschlossen. Die Schreie der Opfer scheinen vergessen zu sein. 20 Jahre später: Die Insel soll zur Heimat werden für den Murder Park – eine Vergnügungsstätte, die mit unseren Ängsten spielt. Paul Greenblatt wird zusammen mit elf weiteren Personen auf die Insel geladen. Und dann beginnen die Morde.

Ein Killer ist auf der Insel …keiner kann dem anderen trauen …die nächste Fähre kommt erst in drei Tagen…

Text: Heyne


Die Aufmachung ist wirklich gelungen und eines Thrillers würdig. Der düstere Vergnügungspark und die leuchtend gelbe Neonschrift ergeben nicht nur ein geniales Cover, das perfekt zum Inhalt passt, sondern zudem einen richtigen Eyecatcher in der Buchhandlung. Während sich das Äußere der Klappenbroschur leicht gummiert anfühlt, ziert die Innenseiten eine weitere Abbildung des Murder Parks. Allerdings muss ich, wie schon bei Matthias Odens Junktown, den nicht sonderlich stabilen Buchrücken kritisieren. Ich behandle meine Bücher immer sehr vorsichtig und trotzdem habe ich auch hier wieder eine sehr ausgeprägte Leserille hineingelesen, was doch sehr schade ist.





Ich lese unheimlich gerne Thriller und befasse mich allgemein gerne mit Medien zum Thema "soziales Experiment". Schon immer konnten mich solche Geschichten sehr begeistern und so hat mich auch dieses Buch von der ersten Seite an fasziniert. Der gruselige Vergnügungspark als Setting und der Bezug zu den zwölf Sternzeichen sind für mich zwei weitere klare Pluspunkte, warum man Murder Park als Thriller-Fan unbedingt lesen sollte.

Jonas Winners neuer Roman beginnt direkt spannend und unglaublich atmosphärisch. Die Geschichte wird abwechselnd in der Gegenwart und in Form von Interviews erzählt, in denen alle zwölf Besucher des Parks zu Wort kommen. Dies fand ich in sofern genial, als dass man häppchenweise erfährt, was sich im ehemaligen Park von Zodiac Island vor 20 Jahren ereignet hat. Man möchte einfach immer schnell das nächste Interview lesen, um mehr über die Hintergründe zu erfahren. Unbedingt wollte ich wissen, was es mit diesen seltsamen Befragungen, den vergangenen Ereignissen, dem Pressebesuch im neuen Park und den Sternzeichen auf sich hatte, die den einzelnen Figuren im Buch zugeordnet sind, und so wurde Murder Park für mich schnell zu einem richtigen Pageturner. Zwar finde ich es fraglich, ob sich direkt jeder einem Fremden in einem Interview anvertrauen würde, aber das hat mich nicht weiter gestört. Es ist einfach notwendig, um die Hintergrundgeschichte eines jeden Charakters zu erfahren und Spannung in die Geschichte zu bringen, was sehr gelungen ist.

Im Vordergrund stehen dabei weder geballte Action noch die Fahrgeschäfte des Vergnügungsparks (letzterer dient nämlich eher als Kulisse), sondern die Psyche der Charaktere, ihre Geheimnisse und vor allem die Aufklärung der schrecklichen Mordserie, die sich sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart ereignet. Über allem schwebt die Frage, was das Projekt Murder Park - ein skurriler Themenpark, der als eine Art Singlebörse konzipiert ist - eigentlich bezwecken soll. Die Geschichte ist dabei brutal, schonungslos und ziemlich krank, was mir sehr gut gefallen hat. Wenn ich einen Thriller lese, der von einem psychopatischen Mörder/ Sexualstraftäter und einem Ausflug in das menschliche Unterbewusstsein handelt, erwarte ich mir einfach, dass nicht um den heißen Brei herumgeredet wird und es direkte, explizite Beschreibungen gibt. Eigentlich bin sehr belastbar, wenn es um "krankes Psychozeug" geht,  aber während des Lesens von Murder Park war ich doch sehr froh, nicht alleine im Haus zu sein. Stellenweise hatte ich wirklich ein bisschen Angst und wurde fast schon paranoid, was mir nicht häufig bei einem Thriller passiert. :D Das zeigt aber nur, wie viel Spannung, Grauen und Nervosität das Buch im Leser auslösen kann. Zudem gibt es eine kleine Romanze, welche aber keine allzu große Rolle spielt.

Nach vielen Wendungen und einem nervenaufreibenden Showdown hat das Ende mich dann sehr überrascht - dachte ich doch eigentlich während des letzten Drittels, die Auflösung bereits zu kennen. Stattdessen hat Winner es geschafft, mich mehr als einmal zu verwirren, mich richtig an der Nase herumzuführen! Die Auflösung hat sich dadurch sehr spannend gestaltet, obwohl man des Rätsels Lösung eigentlich hätte vorausahnen können.


Bei ganzen zwölf auftretenden Personen ist es kein Wunder, dass nicht alle bis auf das kleinste Detail ausgearbeitet sind, deshalb sehe ich die mangelnde Tiefe der Charaktere nicht als Kritikpunkt an. In Murder Park begegnen uns wohl nicht die vielschichtigsten Charaktere aller Zeiten, aber jeder einzelne bekommt durch die Interviews eine interessante Hintergrundgeschichte. Diese haben es wirklich in sich, werden sie doch von Sheldon, einem Psychologen, geführt. Dass ein Vergewaltigungsopfer aber direkt jedem so detailliert von seinen Erlebnissen erzählt, besonders auf diese Art und Weise, finde ich irgendwie unwahrscheinlich und seltsam. Besagtes Interview hat mich ein wenig stutzen lassen und auch sonst ist das Verhalten der Charaktere nicht immer nachvollziehbar/ realitätsnah, würde ich behaupten. Dies kann aber daherrühren, dass alle in diesem Buch irgendwie einen psychischen Knacks haben. Ich konnte mich dadurch nicht mit allen von ihnen identifizieren, aber das ist vielleicht auch ganz gut so und stört mich bei einem Thriller dieser Art überhaupt nicht weiter. :D


Winners Schreibstil ist sehr spannend, auf den Punkt, was noch mehr zu einem Pageturner-Effekt beigetragen hat. Der Autor setzt auf dynamische, eher kurze und prägnante Sätze, die durch authentische Dialoge ergänzt werden. Diese sind eher umgangssprachlich gehalten und kennzeichnen sich durch einige Wortdreher, sodass die Charaktere sehr natürlich und nie zu hochgestochen sprechen. Dadurch ergibt sich ein stellenweise recht eigenwilliger, wirrer Satzbau, der viel Wiedererkennungswert in den Schreibstil bringt. Wie bereits erwähnt, wird das Geschehen außerdem sehr direkt geschildert; Winner nimmt in seiner Wortwahl kein Blatt vor den Mund. Mir hat dieser Stil insgesamt sehr gut gefallen und ich habe wirklich nichts auszusetzen.


Endlich mal wieder ein richtig genialer Thriller, den ich nur weiterempfehlen kann! Murder Park bietet eine gute Portion Spannung, Wahnsinn und Thrill - der perfekte Mix für atemlose Lesestunden. Lediglich die Umgebung des Parks an sich hätte gerne eine größere Rolle spielen und detailreicher beschrieben werden können. Ansonsten habe ich nur wenige Kritikpunkte, die mein Lesevergnügen aber keinesfalls geschmälert haben. Murder Park wird definitiv nicht mein letztes Buch von Jonas Winner sein...






Ein Dankeschön für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars geht an:






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